Eine kleine Geschichte über Imam Ahmad und Imam ash-Shafi’i

Ahmad ibn Hanbal mochte und respektierte seinen Lehrer Imam ash-Shafi’i sehr. Er erzählte seiner Familie oft von ihm und lobte ihn.

Eine Überlieferung besagt:

„Eines Tages übernachtete Imam ash-Shafi’i bei Imam Ahmad. Zum Essen wurde Imam ash-Shafi’i ein großes Mahl serviert – ein Mahl, welches 5 Personen ausreichen würde. Imam ash-Shafi’i aß alles auf und dies brachte die Familie von Imam Ahmad zur Verwunderung. Denn die Sunnah ist es, so wenig zu essen, dass man gerade Satt wird. Der Prophet salallahu alayhi wa sallam sagte: ‚Der Mensch füllt kein schädlicheres Gefäß als seinen Magen. Einem Menschen reicht es, dass er gerade so viel isst, wie er zum Aufrechtstehen braucht. Wenn er jedoch essen muss, so sollte er ein Drittel seines Magens mit Essen und ein Drittel mit Trinken füllen. Den Rest sollte er frei lassen.‘

Auch kam es dazu, dass Imam ash-Shafi’i kein Wasser für den Wudhu anforderte und sich in den Raum von Imam Ahmad zurückzog. Die Familie von Imam Ahmad war erneut verwundert. Sie dachten, dass er nach dem ganzen Essen, ohne das Nachtgebet zu verrichten, Schlafen gehen wollte. Danach ging Imam ash-Shafi’i zum Fajr-Gebet in die Moschee ohne den Wudhu zu vollziehen.Die Familie von Imam Ahmad sagte zu Imam Ahmad: ‚Wie kannst du ihn vor uns nur so hoch loben? Er hat das ganze Essen gegessen, dann hat er die ganze Nacht durchgeschlafen und ist dann zum Fajr-Gebet gegangen ohne Wudhu zu nehmen.‘

Imam Ahmad befragte seinen Lehrer Imam ash-Shafi’i dazu. Er antwortete: ‚Was ich zum Essen sagen kann – ich habe noch nie so ein leckeres Essen wie das der Familie von Imam Ahmad gesehen. Deshalb wollte ich mein Magen damit vollschlagen. Das Nachtgebet habe ich nicht gebetet, weil ich über diese Aussage des Propheten Muhammad salallahu alayhi wa sallam nachgedacht habe: ‚Oh Abu Umayr, was ist mit deinem Vogel passiert?‘ Von dieser Aussage konnte ich 100 [oder 1000] Rechtsurteile ableiten. Und wisse, dass das Erlangen von Wissen besser ist, als das Nachtgebet. Und ich habe kein Wudhu genommen, weil mein Wudhu vom Vortag noch gültig war.‘

Diese Antwort überbrachte Imam Ahmad seiner Familie.”

[aus “Sharh al Kitab al Hilayat Talib’ul Ilm” von Shaykh ibn Uthaymin, S. 419]

 

Der oben erwähnte Hadith:

Anas radiallahu anh überliefert:

„Ich hatte einen kleinen Bruder mit der Kunya Abu Umayr. Er hatte einen kleinen Vogel, mit dem er seine Zeit verbrachte. Dieser Vogel verstarb und der Prophet Muhammad salallahu alayhi wa sallam bemerkte seine Trauer. Er alayhis salam fragte uns, was passiert war. Wir sagte ihm alayhis salam, dass sein Vogel verstorben und dass er deswegen traurig war. Daraufhin fragte der Prophet salallahu alayhi wa sallam ihn: „Oh Abu Umayr, was ist mit deinem Vogel passiert?“

[Sunan Abu Dawud 4969]

Einige Rechtsurteile daraus:

 – Jemand der kein Kind hat, darf trotzdem eine Kunya haben

– Ein Kind darf eine Kunya haben

– Man darf ein Vogel als Haustier halten (solange man ihm nicht schadet)

– Der schöne und vollkommene Charakter unseres Propheten Muhammad salallahu alayhi wa sallam

 – Es ist erlaubt, dass ein Kind mit einem Vogel spielt, solange es ihm nicht schadet